Im vergangenen Dezember verlieh TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hoffmann sieben international renommierten Wissenschaftlern und Kooperationspartnern der TUM im Rahmen des Vivat TUM-Adventskonzerts den Ehrentitel „TUM-Ambassador“. Zwei der Preisträger, Prof. Shobhana Narasimhan (Jawaharlal Nehru Centre for Advanced Scientific Research, Indien) und Prof. Vivek Vitthal Buwa (Indian Institute of Technology Delhi, Indien), sind eng mit der NAT School verbunden.
Seit 2013 können Mitglieder der TUM jedes Jahr internationale Spitzenforscher und Kooperationspartner mit engen Verbindungen zur TUM nominieren. Die Ambassadors werden dann vom Präsidenten selbst ausgewählt, unter Mitwirkung der Vizepräsidentin für Internationale Allianzen und Alumni, Prof. Juliane Winkelmann, und dem Leiter vom TUM Global & Alumni Office, Philip Miessner.
NAT Communications bat Narasimhan und Prof. Johannes Barth (Mitarbeiter und Dekan der TUM School of Natural Sciences) um ihre Eindrücke zu der Auszeichnung.
NAT: Prof. Narasimhan, könnten Sie Ihr Forschungsgebiet für Laien verständlich beschreiben?
Narasimhan: Ich nutze die Quantenmechanik (genauer gesagt die Dichtefunktionaltheorie), um zu verstehen, warum Materialien bestimmte Eigenschaften haben. Dieses Verständnis wird dann genutzt, um neue Materialien mit gezielten Eigenschaften zu entwickeln. Ein Beispiel: In meiner Gruppe beschäftigen wir uns derzeit unter anderem mit der Entwicklung von Materialien für halbleitende Qubits, die zur Herstellung von Quantencomputern verwendet werden können. Meine Arbeit ist rechnergestützt, aber ich arbeite häufig mit Experimentalphysikern zusammen. So arbeiten wir beispielsweise mit der Gruppe von Prof. Johannes Barth an der TUM zusammen und führen gemeinsame Studien zu „selbstorganisierten” Strukturen durch, die durch die Abscheidung organischer Moleküle auf Metalloberflächen hergestellt werden können. Meine Berechnungen können dabei helfen, die gewonnen Daten aus diesen Experimenten zu interpretieren. Sie können auch Systeme oder Eigenschaften aufzeigen, deren Untersuchung im Experiment interessant sein könnte.
Eins meiner weiteren Anliegen ist die Förderung und Unterstützung von Frauen in der Wissenschaft. Während meiner Zeit als Anna-Boyksen-Stipendiatin am IAS der TUM habe ich eine Arbeit über Trends bei der Beteiligung und Einbindung von Frauen in der Wissenschaft weltweit verfasst. Dabei habe ich einige unerwartete Zusammenhänge festgestellt, z. B. dass in Europa die Beteiligung von Frauen in der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung umso geringer ist, je höher das Pro-Kopf-BIP eines Landes ist. Außerdem habe ich gemeinsam mit Studierenden des Studiengangs Game Engineering an der TUM ein Computerspiel entwickelt, das Diskussionen über die Herausforderungen von Frauen in der Wissenschaft anregen soll.
NAT: Wie sind Sie mit Ihrem Gastgeber an der TUM in Kontakt gekommen?
Narasimhan: Wir kennen uns nun schon seit etwa 30 Jahren und waren uns schon vorher gegenseitig durch unsere wissenschaftlichen Arbeiten bekannt! Persönlich haben wir uns kennengelernt, als wir beide Postdocs am Fritz-Haber-Institut in Berlin waren. Wir haben oft an ähnlichen Themen gearbeitet, aber erst vor einigen Jahren begonnen, zusammenzuarbeiten.
NAT: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit der TUM auf Ihre Forschung ausgewirkt?
Narasimhan: Ich habe sowohl die wissenschaftlichen als auch die kulturellen Aspekte meiner Zusammenarbeit mit der TUM sehr genossen, ebenso wie meine Studenten, von denen drei einige Zeit in München verbracht haben, um eng mit den Experimentalwissenschaftlern zusammenzuarbeiten, deren Daten sie zu interpretieren versuchten. Die Zusammenarbeit war eine echte Partnerschaft mit vielen wissenschaftlichen Diskussionen. Was die Zusammenarbeit an dem Spiel betrifft, so war das eine völlig neue Erfahrung für mich – sie hat großen Spaß gemacht und war äußerst bereichernd.
NAT: Professor Barth, warum haben Sie Prof. Narasimhan als TUM-Ambassador nominiert?
Barth: Ich kenne Shobhana nun seit über 30 Jahren. Nach gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten haben wir während ihrer Zeit hier als IAS Anna Boyksen Fellow neue Kooperationen gestartet. Sie ist eine hervorragende Wissenschaftlerin mit starken internationalen Verbindungen. Ich schätze ihr Engagement und ihre Bemühungen zur Unterstützung von Wissenschaftlerinnen auf der ganzen Welt sowie ihren breiten kulturellen Horizont sehr.
NAT: Haben Sie und Prof. Narasimhan Zukunftspläne/Kooperationen?
Barth: Ja, wir werden weiterhin bei verschiedenen Forschungsprojekten zusammenarbeiten und gleichzeitig das Gaming-Projekt vorantreiben, das mit dem Ziel entwickelt wird, die Position von Frauen in der Wissenschaft zu stärken.
Wir gratulieren Prof. Vivek Vitthal Buwa und Prof. Shobhana Narasimhan zu dieser Auszeichnung.
Weitere Informationen und Links
- https://www.community.tum.de/tum-community/ambassadors/
- https://www.community.tum.de/tum-ambassadors-2025/
- https://www.community.tum.de/ambassador-shobhana-narasimhan/
- https://www.community.tum.de/shobhana-narasimhan/
- www.community.tum.de/buwa-vivek-vitthal/
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