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GoBiochem feiert das 20-jährige Jubiläum
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Eine kurze Geschichte von GoBiochem
Julia Eßer aus Mönchengladbach und Natalia Wegner aus Darmstadt lernten sich Anfang der 2000er Jahre kennen, als sie in München nach einer Unterkunft für Studierende suchten. Auch wenn sie letztendlich nicht zusammenwohnten, wurden die hochmotivierten Biochemie-Studentinnen gute Freundinnen. Beide hatten gute Erinnerungen an Tage der offenen Türen und „Schnupperkurse“ für Gymnasiasten an Universitäten in oder nahe ihrer Heimatstädte, darunter das damals „Chemie für Schüler“ genannte Programm an der TU Darmstadt, und so verspürten sie den Drang, eine ähnliche Veranstaltung an der TUM für biochemieinteressierte Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe zu organisieren.
Im Jahr 2005 wandten sich Julia und Natalia mit ihrem Konzept, das sie „GoBiochem“ nannten, an Prof. Johannes Buchner (derzeitiger Head of Department der Bioscience und Inhaber des Lehrstuhls für Biotechnologie). Als Hauptorganisatorinnen entwarfen Julia und Natalia Flyer für den Kurs, wählten Themen für die einzelnen Vorlesungen aus und wandten sich an Sponsoren, insbesondere an den Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Bayern (VBCI). Darüber hinaus stellten sie ein Team aus fünf Kommilitonen zusammen und koordinierten dessen Arbeit, um bei der Gestaltung der Webseite und der Informationsmaterialien, der Kommunikation mit den örtlichen Schulen, der Auswahl der Schülerinnen und Schüler sowie der Durchführung des Programms zu helfen.
Prof. Buchner spielte eine maßgebliche Rolle bei der Herstellung der ersten Kontakte zu den Gymnasien. Unter seiner Schirmherrschaft und mit Unterstützung von Dr. Martin Haslbeck wurde der Zugang zu Vorlesungs- und Praktikumsräumen organisiert und für die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen gesorgt. Dabei war Prof. Buchner nicht in den Unterricht eingebunden, da zur Gewährleistung einer niedrigen Einstiegsschwelle für den Kurs „keine Professoren zugelassen sind“.
Das erste GoBiochem-Programm an der TUM fand im Wintersemester 2005 statt. Vierzehn ausgewählten Schülerinnen und Schülern kamen jeden zweiten Freitag zum Campus Garching, um sich intensiv mit Themen wie Stoffwechsel (welcher Zusammenhang besteht zwischen Übergewicht und Diabetes?), Proteinchemie (wie wird die 3D-Struktur eines Proteins bestimmt?), Biomedizin (was passiert bei einer allergischen Reaktion?) und Biophysik (wie findet eine Amöbe ihre Beute?) auseinanderzusetzen. Sie waren aktiv eingebunden und hielten Vorträge zu ausgewählten Themen. Es wurden keine Noten vergeben, jedoch erhielten die Teilnehmer nach Abschluss des Kurses ein Zertifikat.
Aufgrund des positiven Feedbacks organisierten Natalia und Julia im Sommersemester 2006 einen zweiten GoBiochem-Kurs. Es kamen neue Themen hinzu, wie „Dolly, Stammzellen und gen-freie Tomaten“. Am Ende des Semesters schlossen beide Organisatorinnen ihr Bachelorstudium ab und wechselten an andere Universitäten, wobei sie die Leitung des GoBiochem-Programms an ihre Mitarbeiter übergaben. Im Rückblick auf die alten Zeiten kamen beide zu dem Schluss: „Es war viel harte Arbeit, aber es hat sich absolut gelohnt!“
GoBiochem 2025–2026
Heute, rund 20 Jahre später, floriert GoBiochem nach wie vor. Unter der Leitung von Simon Schramm (Masterstudent) und Laurin Köhler (Bachelorstudent) führt ein Team von etwa 20 Bachelor- und Masterstudierenden das Programm weiter, weiterhin unterstützt von Prof. Buchner und Dr. Haslbeck. Im Laufe der Jahre hat sich das Konzept zu einer völlig unabhängigen, sich selbst erneuernden Organisation entwickelt. Auf die Frage, warum sie ihre Freizeit damit verbringen, die Grundlagen und einige fortgeschrittenere Aspekte der Biochemie zu vermitteln, antworteten Simon und Laurin schlicht: „Weil es einfach Spaß macht!“. Neue Mitglieder werden von älteren Mitgliedern, von denen viele selbst am Programm teilgenommen haben, gefunden und angesprochen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit übernehmen neue Teammitglieder Lehrverantwortung und dürfen den coolen GoBiochem-Hoodie tragen.
Neben Schülerinnen und Schülern der 12. und 13. Klasse von Gymnasien können sich mittlerweile auch Fachoberschülerinnen und -schüler für GoBiochem bewerben. Da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt (etwa 70 Bewerbungen auf 20 Plätze), wählt das GoBiochem-Team die Kandidaten anhand ihrer Motivationsschreiben aus. Die meisten Bewerber kommen aus dem Großraum München, doch in diesem Jahr reisten zwei engagierte Bewerber sogar aus dem weit entfernten Augsburg zum Campus Garching. Vieles ist gleichgeblieben: es gibt weder Noten noch Prüfungen und die Teilnehmer halten stattdessen eine Präsentation. Die finanzielle Hauptunterstützung für das Programm kommt nach wie vor vom VBCI. Es gibt jedoch nur einen Kurs pro Studienjahr, und der Unterricht findet wöchentlich statt, was zu insgesamt 22 Termine führt. Der Kurs umfasst zwei Versuchstage und Besuche in zwei verschiedenen Labors. Am Ende des Kurses erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das bei Bewerbungen an Hochschulen sehr nützlich sein kann, nicht nur an der TUM.
Die aktuelle Vorlesungsreihe begann mit einigen biochemischen Grundlagen, darunter Vorlesungen zu Zellen und Genetik, und endete mit aktuellen Forschungsthemen wie Onkologie und CRISPR. Alle Vorlesungen fanden freitags von 16 bis 18 Uhr im Chemiegebäude der TUM statt.
In diesem Jahr öffneten die Labore von Prof. Michael Groll (Lehrstuhl für Biochemie) und Prof. Jürgen Plitzko (Kryo-EM-Technologie am Max-Planck-Institut in Martinsried) ihre Türen für GoBiochem. Die Schülerinnen und Schüler erhielten eine Einführung in die wissenschaftlichen Thematiken die in den Laboren bearbeitet wurden und erhielten eine Laborführung; dabei lernten sie die verschiedenen Aspekte des Lebens in der Wissenschaft in der akademischen Forschung kennen, die sich im Vergleich zur Arbeit in Kliniken oder der Industrie deutlich unterscheidet. Wie Prof. Groll erklärte, werden diese Besuche von Studierenden und Professoren gleichermaßen geschätzt, da sich viele dieser hochmotivierten Studierenden für ein Biochemie-Studium an der TUM entscheiden und schließlich in ihren Labors landen.
Nachteule oder Lerche? Das liegt ganz in den Genen!
Schließlich umfasst GoBiochem zwei volle Tage im Labor, an denen Experimente durchgeführt werden, wobei sich ein Tag auf Proteine und der andere auf DNA-Analysen konzentriert.
Um praktische Erfahrungen mit der Genanalyse zu sammeln, arbeitet GoBiochem mit Dr. Patricia Schöppner (Projektkoordinatorin des Programms „Amgen Biotech Experience“ (ABE) in Deutschland, angegliedert an die TUM School of Social Sciences and Technology, Lehrstuhl für Life Sciences Education) und Dr. Sara Großbruchhaus (MINTopolis) zusammen, die beide über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung von MINT-Praxiskursen für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe verfügen.
Hier bestimmten die Schülerinnen und Schüler anhand von Laboranalyse ihres PER3-Gens genetisch, ob sie „Lerchen“ oder „Nachteulen“ sind. Das PER3-Gen steht in spezifischem Zusammenhang mit dem zirkadianen (Tag-Nacht-)Rhythmus eines Menschen, wobei das Vorhandensein von vier sogenannten Tandem-Wiederholungen im Gen auf die Nachteule-Variante hindeutet, während das Vorhandensein von fünf dieser Tandem-Wiederholungen spezifisch auf die Lerche-Variante hinweist. Dazu gurgeln die Schüler eine Salzlösung, um Zellen aus ihrer Mundhöhle zu isolieren. Das Zellmaterial wird anschließend lysiert und gereinigt, bereit für die Analyse mittels Polymerasekettenreaktion (PCR), einer Methode, die entwickelt wurde, um kurze DNA-Abschnitte zu identifizieren. Unter Verwendung von speziellen Laborkits und Instrumenten, die für den Einsatz im Unterricht angepasst sind, wurde die Anzahl der Tandem-Wiederholungen in ihren beiden PER3-Allelen analysiert; eines davon von ihrer Mutter und eines von ihrem Vater geerbt. Nach den PCR-Reaktionen wurden die entstandenen DNA-Fragmente auf einem Agarosegel getrennt und anschließend sichtbar gemacht, wobei die kleineren Fragmente (Nachteule) schneller durch das Gel wanderten als die größeren „Lerchen“-DNA-Fragmente. Es war kaum überraschend, dass die meisten Schüler heterozygot (H) für das PER3-Gen waren, das heißt, sie hatten eine Nachteulen-Kopie und eine Lerchen-Kopie.
Auf die Frage nach dem GoBiochem-Programm antwortete Dr. Schöppner: „Es beeindruckt mich immer wieder, mit welchem Interesse und welcher Präzision die Jugendlichen des GoBiochem-Programms in unserem Labor arbeiten. Diese Begeisterung durch das Amgen Biotech Experience-Programm in Deutschland fördern zu können und ihnen so die Welt der Biochemie näherzubringen, ist für uns ein echtes Highlight des Jahres. Dr. Großbruchhaus fügte hinzu: „Programme wie GoBiochem zeigen, wie wichtig außerschulische Lernumgebungen für die Förderung der MINT-Bildung sind. Am Lehrstuhl für Life Sciences Education, zu dem auch das Jugendforschungszentrum MINTopolis und das Studentenforschungszentrum Berchtesgaden gehören, schaffen wir außerschulische Lernumgebungen, in denen junge Menschen Wissenschaft nicht nur kennenlernen, sondern auch hautnah erleben können.“
Vor 20 Jahren als kleine Initiative gestartet, hat sich das GoBiochem-Programm zu einem gut eingespielten, sich selbst erneuernden Team aus Studierenden entwickelt, das weiterhin erfolgreich ist! Das Engagement und die Begeisterung des Teams sowie die jedes Jahr aktualisierten Themen sind beeindruckend. Die Teilnehmer sind äußerst motiviert, stellen während der Vorträge viele Fragen und beschäftigen sich intensiv mit den präsentierten Thematiken. Die angestrebte niedrige Einstiegsschwelle zeigt sich in den Diskussionen und dem Austausch über Messaging-Apps zwischen Teilnehmern und Organisatoren. In der Tat können Eßer-von Bieren und Wegner stolz auf sich und das aktuelle Team sein.
TUM School of Natural Sciences wünschen Simon Schramm und Laurin Köhler viel Erfolg bei der Organisation der GoBiochem 2026–2027 und bedanken uns für ihr Engagement in der Vermittlung von MINT Thematiken an Schülerinnen und Schülern!
Weitere Informationen und Links
- GoBiochem website https://www.gobiochem.de/
- Prof. Johannes Buchner https://www.bio.nat.tum.de/biotech/startseite/
- Prof. Michael Groll https://www.bio.nat.tum.de/biochemie/home/ (auf Englisch)
- Professorship for Didactics of Life Sciences: https://www.edu.sot.tum.de/fdls/willkommen/;
- Amgen Biotech Experience Program Germany: https://www.edu.sot.tum.de/fdls/lehrkraeftefortbildungen/molekularbiologie-abe/
- MINTopolis: https://www.mintopolis.de/
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