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Die HiWi Diversity Contracts der TUM School of Natural Sciences bieten Studierenden die Möglichkeit, praktische Forschungserfahrung zu sammeln, berufliche Netzwerke aufzubauen und Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu werden. Für einen Masterstudenten der Chemieingenieurwissenschaften wurde das Programm jedoch weit mehr als nur eine studentische Beschäftigung. Es half ihm dabei, nach einer schwierigen persönlichen Lebensphase wieder in den Alltag zurückzufinden, und eröffnete ihm zugleich wertvolle wissenschaftliche und persönliche Perspektiven.
Lieber Bhashkar, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst!
NAT School: Was hat dich motiviert, am HiWi Diversity Program der TUM School of Natural Sciences teilzunehmen?
Bhashkar Sobun: Zum ersten Mal habe ich vom HiWi Diversity Program durch eine E-Mail der TUM School of Natural Sciences erfahren. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in einer sehr schwierigen Phase meines Lebens. Ich hatte meiner schwer erkrankten Mutter einen Teil meiner Leber gespendet, und leider ist sie später verstorben. Sowohl die Operation als auch der Verlust haben mich tief geprägt. Als ich von Mauritius aus nach Deutschland zurückkehrte, um meinen Master in Chemical Engineering zu beginnen, war ich körperlich und emotional noch nicht wieder vollständig auf den Beinen.
Mir war klar, dass ich einen Weg finden musste, langsam wieder in den Alltag zurückzukehren, Menschen kennenzulernen und erneut am Universitätsleben teilzunehmen. Gleichzeitig war ich nicht in der richtigen Verfassung, um mich auf reguläre Jobs zu bewerben oder aktiv nach Möglichkeiten zu suchen. Das HiWi Diversity Program erschien mir als ein überschaubarer und unterstützender erster Schritt. Es gab mir die Gelegenheit, wieder aus dem Haus zu kommen, an ein akademisches Umfeld anzuknüpfen und schrittweise mein Selbstvertrauen zurückzugewinnen, ohne mich dabei überfordert zu fühlen.
Prof. Torben Gädt kannte ich bereits durch meine Bachelorarbeit, und ich war sehr dankbar, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, am Lehrstuhl für Bauchemie zu arbeiten und mit dem Doktoranden Simon Skibbe zusammenzuarbeiten. Durch diese bestehende Verbindung und ein vertrautes Gesicht fiel es mir in dieser schwierigen Zeit viel leichter, die Stelle anzutreten.
Meine Motivation war daher eine Kombination aus dem Wunsch, Erfahrungen zu sammeln, neue Menschen kennenzulernen, ein Netzwerk aufzubauen und zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Nach allem, was meine Familie durchgemacht hatte, spielte auch der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle. Vor allem aber gab mir die Tätigkeit einen Grund, wieder eine Routine aufzubauen und nach vorne zu blicken.
Was als studentischer Nebenjob begann, entwickelte sich schnell zu etwas viel Wertvollerem. Ich war von Menschen umgeben, die mich sowohl akademisch als auch persönlich unterstützten, und Simon ist inzwischen zu einem sehr guten Freund geworden.
Welche Erfahrungen während deiner HiWi-Tätigkeit waren für deine persönliche oder akademische Entwicklung besonders wertvoll?
BS: Einer der wertvollsten Aspekte meiner HiWi-Tätigkeit war die Zusammenarbeit mit Simon Skibbe an Forschungsprojekten im Rahmen des DFG-Programms Net-Zero Concrete.
Besonders gefällt mir an dieser Forschung, dass sie einen klaren ökologischen Nutzen verfolgt. Zement wird im Bauwesen überall eingesetzt, seine Herstellung verursacht jedoch erhebliche Mengen an CO₂. Ziel dieser Forschung ist es, Wege zu finden, Zement und Beton effizienter zu machen, sodass künftig weniger Material benötigt werden könnte, ohne die erforderliche Leistungsfähigkeit im Bauwesen zu beeinträchtigen. Dadurch ließe sich der ökologische Fußabdruck der Bauindustrie reduzieren.
Für mich war es sehr motivierend zu sehen, dass die Arbeit im Labor mit größeren gesellschaftlichen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit und Klimawandel verknüpft sein kann.
Während meiner HiWi-Tätigkeit habe ich außerdem gelernt, verschiedene Laborgeräte zu bedienen, insbesondere den TOC-Analysator und ein Kalorimeter. Es hat mir große Freude bereitet, im Umgang mit diesen Methoden immer sicherer zu werden und zu verstehen, wie experimentelle Forschung tatsächlich durchgeführt wird.
Insgesamt hat mir die Tätigkeit geholfen, praktische Kompetenzen aufzubauen und besser zu verstehen, wie wissenschaftliche Forschung zur Lösung realer Probleme beitragen kann.
Wie hat dir das Programm geholfen, Einblicke in die Forschung zu gewinnen und Kontakte innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft aufzubauen?
BS: Das Programm hat mir geholfen, Forschung auf eine viel praktischere Weise zu verstehen. Ich habe viele Doktorandinnen, Doktoranden und Forschende am Lehrstuhl kennengelernt. Allein durch Gespräche mit ihnen und durch Einblicke in ihre unterschiedlichen Projekte wurde mir bewusst, wie vielfältig die Welt der Forschung tatsächlich ist.
Ich habe verschiedene neue Labortechniken gelernt, aber eine der wichtigsten Erfahrungen war eine neue Art des Denkens. Forschung bedeutet nicht einfach, Anweisungen zu befolgen und das erwartete Ergebnis zu erhalten. Es geht darum, Fragen zu stellen, zu verstehen, warum etwas passiert, verschiedene Ansätze auszuprobieren und auch aus Ergebnissen zu lernen, die nicht wie geplant verlaufen.
Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fiel es mir zunehmend leichter, Fragen zu stellen und Ideen auszutauschen. Mit der Zeit wurden viele dieser beruflichen Kontakte sogar zu Freundschaften.
Das Programm hat mir dadurch ein viel klareres Bild davon vermittelt, wie wissenschaftliche Forschung tatsächlich funktioniert, und die wissenschaftliche Gemeinschaft für mich deutlich offener und zugänglicher gemacht.
Was hat dir am HiWi Diversity Program am meisten gefallen, und welche persönliche Bedeutung hatte die Teilnahme für dich?
BS: Am meisten hat mir gefallen zu entdecken, dass das Leben in der Forschung nicht nur aus Experimenten, Publikationen und ernsten Diskussionen besteht.
Bevor ich an den Lehrstuhl kam, hatte ich vermutlich ein recht formelles Bild von Doktorandinnen, Doktoranden, Forschenden und Professorinnen beziehungsweise Professoren. Als ich dort zu arbeiten begann, wurde mir bewusst, dass alle Menschen ihre eigenen Persönlichkeiten, Interessen, Geschichten und auch ein Leben außerhalb der Arbeit haben.
Ich habe die alltäglichen Gespräche, den Humor, die lockeren Neckereien und den Austausch mit Menschen aus unterschiedlichsten Hintergründen sehr geschätzt. Diese Momente machten das Arbeitsumfeld deutlich entspannter und einladender.
Persönlich bedeutete das sehr viel für mich. Ich hatte nicht das Gefühl, lediglich ein Studierender zu sein, der ein paar Arbeitsstunden ableistet. Stattdessen fühlte ich mich wirklich als Teil der Gruppe.
Eine der schönsten Erkenntnisse aus dieser Erfahrung war für mich, dass ein wissenschaftliches Umfeld gleichzeitig sehr menschlich, freundlich und unterstützend sein kann.
Würdest du das HiWi Diversity Program anderen Studierenden empfehlen oder selbst erneut daran teilnehmen? Warum beziehungsweise warum nicht?
BS: Als Erfahrung würde ich das HiWi Diversity Program definitiv allen empfehlen, die verstehen möchten, worum es in der Forschung wirklich geht, die neue Menschen kennenlernen und dabei mehr Selbstvertrauen gewinnen möchten.
Ob ich selbst noch einmal teilnehmen würde, weiß ich nicht. Mein Masterstudium in Chemical Engineering wird in den kommenden Semestern deutlich anspruchsvoller, und ich werde mehr Zeit für mein Studium aufbringen müssen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mir das Programm genau das gegeben hat, was ich in dieser Phase meines Lebens gebraucht habe.
Für Menschen, die sich ein wenig orientierungslos fühlen, nach einer neuen Herausforderung suchen oder einfach einen Anstoß brauchen, sich stärker ins Universitätsleben einzubringen, kann das Programm äußerst wertvoll sein. Es bringt einen mit Menschen zusammen, denen man sonst vielleicht nie begegnen würde, und zeigt Möglichkeiten auf, die man zuvor möglicherweise nicht in Betracht gezogen hat.
Für mich besteht der nächste Schritt darin, eine andere Seite des Berufslebens kennenzulernen. Durch das Programm habe ich bereits gute Einblicke in die akademische Forschung erhalten. In Zukunft möchte ich herausfinden, wie die Arbeit in der Industrie aussieht. Das ist das nächste Ziel, auf das ich hinarbeiten möchte.
Lieber Bhashkar, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast!
Die nächste Ausschreibung für das HiWi-Diversity-Programm startet Ende Januar 2027. Interessierte Studierende der TUM School of Natural Sciences sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben. Details sind auf folgender Seite zu finden: https://www.nat.tum.de/nat/wir/chancen/
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