Die neue Women in Chemistry Initiative möchte Doktorandinnen und Postdoktorandinnen aus der Chemie miteinander vernetzen, den fachlichen Austausch stärken und eine unterstützende Community schaffen. Das erste Event fand im Zentralinstitut für KAtalyseforschung statt (CRC) und das zweite im Center for Protein Assemblies (CPA)
Das nächste Event findet am 25. Februar 2026 im wieder im CPA statt.
Dr. Robert Reich von der NAT hat der Gründerin und Organisatorin des Events, Dr. Sara Gutkin, ein paar Fragen gestellt.
Dr. Sara Gutkin schloss ihr MSc- und PhD-Studium in Organischer Chemie an der Tel Aviv University ab, wo sie 15 begutachtete wissenschaftliche Publikationen veröffentlichte, die zusammen mehr als 700-mal zitiert wurden (h-Index = 10, https://orcid.org/0009-0005-2557-5833). Derzeit ist sie Humboldt-Forschungsstipendiatin in der Arbeitsgruppe von Prof. Stephan A. Sieber an der Technische Universität München. Dort konzentriert sich ihre Forschung auf die Entwicklung lichtreaktiver kleiner Moleküle, die zuvor als „undruggable“ geltende Proteine gezielt adressieren können und das Potenzial besitzen, als neuartige Antibiotika zu dienen. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist Dr. Gutkin Gründerin der Initiative „Women in Chemistry Networking“, die sich der Stärkung und Vernetzung von Wissenschaftlerinnen in Wissenschaft und Industrie widmet. Mit großer Leidenschaft für die Weiterentwicklung der Forschung und die Förderung von Zusammenarbeit verbindet sie ihre Begeisterung für wissenschaftliche Entdeckungen mit ihrer Freude am Wandern, Reisen und dem Genuss einer guten Tasse Kaffee.
Liebe Sara, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst.
NAT: Kannst du dich bitte kurz vorstellen?
Sara Gutkin: Mein Name ist Sara, und ich bin Postdoktorandin im ersten Jahr an der TUM School of Natural Sciences. Mein Hintergrund liegt in der organischen Chemie, und in meiner Postdoc-Zeit arbeite ich in der chemischen Biologie, wo ich meine eigene Forschungsidee am Arbeitskreis von Prof. Stephan Sieber entwickle.
NAT: Warum hast du die Initiative „Women in Chemistry“ ins Leben gerufen?
Sara Gutkin: Während meiner Promotion war ich eine sehr gute Forscherin, fühlte mich jedoch oft unsicher – als wäre ich nicht gut genug für eine Postdoc-Stelle oder eine akademische Laufbahn. In meinem dritten Jahr wurde an meiner damaligen Universität eine neue Initiative namens „Women in Chemistry Forum“ gegründet. Ich nahm am ersten Treffen teil und war erstaunt zu hören, dass unglaublich talentierte und erfolgreiche Frauen von denselben Zweifeln berichteten, die auch ich hatte. Ich besuchte weiterhin die Treffen und konnte so ein Netzwerk von Doktorandinnen aufbauen. Das gab mir Selbstvertrauen, Solidarität und den Mut, Ziele zu verfolgen, die ich zuvor für unerreichbar hielt – letztlich bewarb ich mich erfolgreich auf ein renommiertes Postdoc-Stipendium.
Als ich an der TUM, einer der führenden europäischen Universitäten im MINT-Bereich, ankam, war ich überrascht, keine Initiative für Frauen in diesem Fachgebiet zu finden. Ich wollte meinen Kolleginnen dieselbe stärkende Erfahrung ermöglichen, die ich gemacht hatte, und gründete daher das „Women in Chemistry Network“ hier an der TUM.
Welche Ziele verfolgst du mit dieser Initiative?
Sara Gutkin: In erster Linie möchten wir ein starkes Netzwerk von Doktorandinnen und Postdoktorandinnen aufbauen – einen geschützten Raum, in dem wir uns gegenseitig stärken, voneinander lernen und uns auf bedeutungsvolle Weise vernetzen können. Zweitens wollen wir Doktorandinnen und Postdoktorandinnen sichtbarer machen, indem wir inspirierende Referentinnen und Referenten aus der Wissenschaft, hochrangige Führungskräfte aus der Industrie sowie Mentorinnen und Mentoren einladen. Ihre Geschichten sollen uns motivieren und ermutigen, unser volles Potenzial auszuschöpfen.
Ich hoffe, dass diese Initiative weiter wächst und sich zu etwas noch Größerem entwickelt. In meiner Vision wird daraus ein Netzwerk, das alle MINT-Fächer verbindet und Workshops, Stipendien sowie Preise anbietet, um Wissenschaftlerinnen gezielt zu fördern.
Was ist dein Fazit nach den ersten beiden Veranstaltungen?
Sara Gutkin: Es besteht eindeutig ein großer Bedarf an dieser Initiative – mit jeweils über 20 Teilnehmerinnen pro Veranstaltung. Doktorandinnen und Postdoktorandinnen sind sehr daran interessiert, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und ein unterstützendes Netzwerk aufzubauen. Viele sagten mir, dass sie endlich einen Raum gefunden haben, um sowohl berufliche Herausforderungen als auch persönliche Entwicklung zu besprechen.
Was können wir alle besser machen, um das Leben und Arbeiten für Frauen in der Wissenschaft zu erleichtern?
Sara Gutkin: Unterstützen Sie Initiativen wie diese! Sie erleichtern nicht nur Frauen in der Wissenschaft den Alltag, sondern verbessern die Wissenschaft insgesamt, indem sie Räume schaffen, in denen Ideen geteilt, Probleme gemeinsam gelöst und neue Kooperationen aufgebaut werden. Genau darum geht es in der Wissenschaft.
Liebe Sara, vielen Dank für dein Engagement und die Zeit die du dir für das Interview genommen hast.
Interesse bekommen an der Initiative teilzunehmen? Das nächste Event findet am 25. Februar statt. Weitere Informationen sind hier zu finden.
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