Aktuelles aus der Physik
Über den Hörsaal der Naturwissenschaften hinaus: Die 1.000+ Project Week
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Während der 1.000+ Project Week an der Technischen Universität München (TUM) verlassen Studierende das akademische Umfeld und tauchen in ein Industrieprojekt ein. Die Erfahrung bietet mehr als nur einen Einblick in das Berufsleben. Sie vermittelt wertvolle Erkenntnisse über Zusammenarbeit, Kommunikation und mögliche Karrierewege.
Drei Studierende der TUM School of Natural Sciences haben mit uns über ihre Erfahrungen im Programmjahr 2026 gesprochen. Obwohl sie an völlig unterschiedlichen Projekten beteiligt waren und auf eine sehr vielfältige und intensive Woche zurückblicken, empfehlen alle drei ihren Mitstudierenden ausdrücklich, in ihre Fußstapfen zu treten.
Eine Woche in der Arbeitswelt
Teilnehmende beschreiben das 1.000+-Programm häufig als eine einzigartige Gelegenheit, die Realität der Industrie aus erster Hand kennenzulernen. Statt Vorlesungen oder Übungen arbeiten sie direkt mit Unternehmen zusammen, übernehmen reale Projekte und stehen im Austausch mit Fachleuten aus der Praxis. Die Studierenden der School of Natural Sciences ermutigen ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen, den vertrauten Hörsaal zu verlassen und Unternehmen kennenzulernen. Dort können sie gemeinsam mit Studierenden aus der gesamten Universität ihre Problemlösungskompetenzen einbringen und an konkreten Fragestellungen von Unternehmen in der Region München arbeiten.
Für Tobias Lauterbach, Masterstudent der Physik, fühlte sich die Woche wie „ein kurzes Fenster in die operativen Abläufe“ eines Unternehmens an. Bei einer Bank untersuchte er gemeinsam mit seinem interdisziplinären Team, wie Umweltfaktoren Finanzrisikomodelle beeinflussen. Ihre Analyse zeigte, dass die Nutzung noch detaillierterer und hochspezialisierter Daten die Vorhersagequalität nicht wesentlich verbesserte. Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, interne Prozesse effizienter zu gestalten.
Paak Wai Lau, Masterstudent der Biochemie, beschreibt die Projektwoche in ähnlicher Weise: als Möglichkeit, die Lücke zwischen akademischer Theorie und beruflichen Anforderungen zu schließen. Er bezeichnete sie als „vor allem eine Gelegenheit zur beruflichen Orientierung“, bei der Studierende Einblicke erhalten, wie Organisationen funktionieren und wie Entscheidungen in der Praxis getroffen werden. Bei Mondelēz International konzentrierte sich sein Team auf die Optimierung der Haltbarkeit eines Milchprodukts. Diese Herausforderung vereinte analytische Wissenschaft, Statistik und Produktentwicklung.
Der Physik-Masterstudent Filippo Sartori und sein 1.000+-Projektteam wurden Planisware zugeteilt, einem Unternehmen, das Lösungen für Projekt- und strategisches Portfoliomanagement anbietet. Ihre Aufgabe bestand darin, relevante Mitarbeitende im Unternehmen zu interviewen, zu untersuchen, wie die Software Arbeitsabläufe unterstützt, und zu identifizieren, an welchen Stellen die Werkzeuge die Prozesse der Kunden verbessern könnten. Statt Software zu entwickeln, übernahmen die Studierenden eine beratungsähnliche Rolle: Sie analysierten Nutzerbedürfnisse, untersuchten Arbeitsprozesse und übersetzten komplexe Informationen in konkrete Handlungsempfehlungen.
Lernen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit
Ein zentrales Element der 1.000+ Project Week ist die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg. Studierende aus Physik, Mathematik, Informatik, Ingenieurwissenschaften und Lebenswissenschaften arbeiten gemeinsam an Projekten. Damit spiegelt das Programm die Struktur vieler moderner Arbeitsumgebungen wider. Für Sartori war die Vielfalt der Perspektiven innerhalb des Teams bei Planisware die wertvollste Erfahrung: Studierende aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedenen akademischen Hintergründen gingen Probleme auf ganz unterschiedliche Weise an.
Lauterbach schilderte eine ähnliche Erfahrung. Sein Team vereinte Programmierkenntnisse, mathematische Analysen und fachspezifisches Wissen, wobei jedes Mitglied andere Stärken einbrachte. Die eigene Rolle innerhalb dieser Struktur zu finden, insbesondere bei der Analyse von Daten und der Identifikation zugrunde liegender Muster, gehörte für ihn zu den wichtigsten Lernerfahrungen.
Kommunikation über fachliche Expertise hinaus
In allen Projekten zeigte sich immer wieder ein zentrales Thema: Kommunikation ist entscheidend.
In Laus Projektteam bedeutete dies, komplexe wissenschaftliche Konzepte für Teammitglieder mit anderem Fachwissen verständlich zu machen und Ideen sowohl aus technischer als auch aus nicht-technischer Perspektive zu bewerten.
Er betonte, dass Kommunikation im industriellen Arbeitsumfeld weit über die reine Präsentation von Ergebnissen hinausgeht. In hochspezialisierten Umgebungen bedeutet sie, die Bedürfnisse anderer zu verstehen, Perspektiven aufeinander abzustimmen und sicherzustellen, dass Informationen effektiv zwischen Teams fließen.
Diese Ansicht teilten auch Sartori und Lauterbach, die beide die Bedeutung fachübergreifender Zusammenarbeit und einer verständlichen Wissensvermittlung hervorhoben.
Neue Karriereperspektiven entdecken
Für viele Studierende ist die Projektwoche auch ein Wendepunkt bei der Auseinandersetzung mit ihrer beruflichen Zukunft. Lauterbach nahm am Programm teil, um gezielt Möglichkeiten außerhalb der Wissenschaft kennenzulernen, da er früh entschieden hatte, dass eine Promotion nicht sein bevorzugter Weg ist. Seine Erfahrungen im Finanzsektor zeigten ihm, wie Kompetenzen aus der Physik, etwa Modellierung und Datenanalyse, in völlig anderen Kontexten angewendet werden können.
Auch Lau betonte, dass die Erfahrung Einblicke ermöglicht, die innerhalb des universitären Umfelds nur schwer zu gewinnen sind. Durch den Austausch mit Fachleuten und deren Karrierewegen erhalten Studierende ein klareres Bild möglicher beruflicher Entwicklungen sowie ihrer eigenen Interessen und Stärken.
Selbst wenn die Projekte nicht direkt mit dem eigenen Studienfach verbunden sind, hilft der Kontakt zur Industrie dabei, den Horizont zu erweitern. Sartori stellte beispielsweise fest, dass seine Erfahrung seine Soft Skills stärkte und ihm ein besseres Verständnis von Karrieremöglichkeiten jenseits der Forschung im Bereich Quantentechnologien vermittelte.
Wissenschaft mit gesellschaftlicher Wirkung verbinden
Die 1.000+ Project Week unterstreicht auch die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft. Ob bei der Verbesserung industrieller Prozesse, der Analyse finanzieller Risiken oder der Optimierung digitaler Werkzeuge: Die Studierenden erleben, wie wissenschaftliches Denken Innovationen und Entscheidungsprozesse in unterschiedlichsten Bereichen unterstützt.
Für Lau war dieser Bezug besonders motivierend. Zu sehen, wie Forschung in Produkte und Technologien umgesetzt wird, die den Alltag vieler Menschen beeinflussen, verdeutlichte die gesellschaftliche Relevanz seines Biochemiestudiums.
Nachhaltige Wirkung in nur einer Woche
Obwohl das Programm nur eine kurze Zeit dauert, ist seine Wirkung langfristig. Die Teilnehmenden empfehlen die Erfahrung durchweg weiter, insbesondere Studierenden, die sich über ihren beruflichen Weg noch nicht sicher sind. Neben fachlichem Wissen gewinnen sie ein klareres Verständnis dafür, welches Arbeitsumfeld zu ihnen passt und welchen Beitrag sie dort leisten können.
Wie Lau betonte, lassen sich die während der Projektwoche gewonnenen Erkenntnisse „nicht in einem Universitätsseminar reproduzieren“. Gleichzeitig weisen Studierende wie Lauterbach darauf hin, dass das Programm trotz seines Potenzials, die akademische Ausbildung sinnvoll zu ergänzen, bislang noch nicht ausreichend bekannt ist, insbesondere unter Studierenden im MINT Bereich.
Ausblick
Indem die 1.000+ Project Week Studierende direkt mit Unternehmen in Kontakt bringt, bietet sie etwas, das Vorlesungen allein nicht leisten können: Einblicke in die professionelle Arbeitswelt.
Ob es darum geht, fachübergreifend zusammenzuarbeiten, Kommunikationsfähigkeiten weiterzuentwickeln oder neue Karrierewege zu entdecken, die Teilnehmenden verlassen das Programm mit einem tieferen Verständnis dafür, wie ihr Studium mit der Welt außerhalb der Universität verbunden ist und welche Rolle sie darin spielen können.
Die Anmeldung für die Project Week im April 2027 beginnt im Oktober.
Weitere Informationen und Links
- 1.000+ Project Week TUM: https://1000plus.cit.tum.de/
- Video der Abschlussveranstaltung 2026: https://www.youtube.com/watch?v=gPBC3EN8xf0
- Video zur Project Week 2026: https://www.youtube.com/watch?v=k7Do7GyV0R0
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